Lyse bei Aufwachschlaganfällen möglich?

Einleitung

Prim. Dr. Peter Dovjak

Schlaganfälle beim Aufwachen (14%–27% der Fälle) haben einen unbekannten Beginn und werden im Allgemeinen zur Vermeidung von Nebenwirkungen nicht lysiert. Kernspintomographisch kann man den Zeitpunkt exakt eingrenzen durch Veränderung in den Diffusions-gewichteten Bildern und fehlenden Veränderungen in den Fluid-Attenuated-Inversion-Recovery-Sequenz-Liquorsuppressionssequenzen (FLAIR). Die folgende Studie sollte prüfen, ob bei Patienten mit Aufwachschlaganfällen die MRI-gesteuerte Lyse einen klinischen Benefit bringt.

Methode

In 70 Zentren in 8 Ländern Europas wurden Patienten mit Aufwachschlaganfällen kernspintomographisch untersucht und bei einem Missverhältnis zwischen den Diffusionsbildern und FLAIR-Bildern randomisiert mit Alteplase lysiert oder gemäß Standard behandelt und nachuntersucht.

Resultate

Von September 2012 bis Juni 2017 wurden 503 der geplanten 800 Patienten untersucht und die Studie vorzeitig wegen fehlender finanzieller Unterstützung gestoppt. In der Gruppe von 254 lysierten Patienten wurde gemäß dem klinischen Status ein Vorteil gesehen (OR=1,61; 95% CI: 1,09–2,36). Die Mortalität war in der Lysegruppe höher (OR=3,38; 95% CI: 0,92–12,52).

Diskussion

Ein signifikant besseres Ergebnis der MRI-gesteuerten Lysetherapie fand sich im Vergleich zur Standardbehandlung unter Erhöhung der Mortalität und Fällen von intrazerebraler Blutung in dieser Studie. Wie T. Jovin im Editorial der gleichen Ausgabe des Journals schrieb, ist diese Methode für Patienten mit Aufwachschlaganfällen geeignet, die nicht einer mechanischen Thrombolyse unterzogen werden können. Obwohl die Ergebnisse der Studie optimistisch stimmen, bleiben viele Fragen offen.

Literatur

Thomalla G, Simonsen CZ, Boutitie F, et al. MRI-Guided Thrombolysis for Stroke with Unknown Time of Onset. N Engl J Med. 2018; 379(7): 611–622.

Jovin TG. MRI-Guided Intravenous Alteplase for Stroke – Still Stuck in Time. N Engl J Med. 2018; 379(7): 682–683.

Rezensent: Prim. Dr. Peter Dovjak, Leiter der Akutgeriatrie, Salzkammergutklinikum Gmunden

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