Mortalität ist ins Gesicht geschrieben

Wie alt eine Person von anderen eingeschätzt wird, hängt vorwiegend von ihren Gesichtsmerkmalen und weniger von der Frisur oder Bekleidung ab. Anhand dieser Einschätzung lassen sich einer aktuellen Studie von David Andrew Gunn uns seinen Kollegen von der Süddänischen Universität zufolge Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand ziehen.

Hintergrund und Methode

Beim klinischen Status wird auch der generelle Patienten-Aspekt beschrieben, etwa „altersgemäß“, „biologisch älter“ oder „jünger“. Die Gruppe um Kaare Christensen konnte vor einigen Jahren nachweisen, dass das wahrgenommene Alter (auf Basis von Fotografien) tatsächlich auf die Mortalität schließen lässt (dänisches Zwillingsregister, 1.826 über 70- jährige, eineiige Zwillinge, Nachbeobachtung 10 Jahre).

Eine jüngst publizierte Studie der gleichen Gruppe untersuchte bei 187 eineiigen Zwillingspaaren (n=374) unter Einsatz von digitaler Bildbearbeitung, inwieweit das Gesicht umgebende Elemente wie Frisur und Bekleidung eine Rolle spielen.

Resultate

Der jeweils älter aussehende Zwilling (Durchschnittsalter 76 Jahre) wurde um 3,5 Jahre und nach Fotomontage um 2,4 Jahre älter eingeschätzt. Das wahrgenommene Alter blieb in beiden Szenarien (Originalfoto und Bildbearbeitung) über einen Nachbeobachtungszeitraum von bis zu 12 Jahren ein starker Prädiktor der Mortalität.

Schlussfolgerung

Das wahrgenomme Alter wird überwiegend von Gesichtsmerkmalen geprägt und nicht von Frisur- und Bekleidungselementen und ist ein starker Mortalitäts-Prädiktor. Somit stellt es eine solide Basis zur generellen Beurteilung des Gesundheitszustandes bei über 70- Jährigen dar.

Literatur

David Andrew Gunn, Lisbeth Aagaard Larsen, Jaspal Singh Lall, Helle Rexbye, Kaare Christensen
Mortality is Written on the Face
Journals of Gerontology. Series A, Biological Sciences and Medical Sciences 2016 Jan;71(1):72-7, Published online 11 Aug 2015, doi: 10.1093/gerona/glv090

Kaare Christensen, Mikael Thinggaard, Matt McGue, Helle Rexbye, Jacob v B Hjelmborg, , Abraham Aviv, David Gunn, Frans van der Ouderaa, James W Vaupel
Perceived age as clinically useful biomarker of ageing: cohort study
British Medical Journal 2009; 339, Published online 14 December 2009, doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.b5262

Rezensent: Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger

Weitere Beiträge

Akutgeriatrie-Bericht 2025

Der Akutgeriatrie-Bericht 2025 zeigt erneut eindrucksvoll, welchen Beitrag die Akutgeriatrie für die Versorgung älterer und multimorbider Patient*innen in Österreich leistet. Die dargestellten Ergebnisse verdeutlichen nicht nur die hohe klinische Komplexität

weiterlesen >

Hochaltrigenstudie (ÖIHS)

Das Projekt Österreichische Interdisziplinäre Hochaltrigenstudie (ÖIHS) Im Rahmen der ÖIHS wird die Gesundheits-, Lebens- und Betreuungssituation von Menschen über 80 als einer demographisch wie auch sozial- und gesundheitspolitisch hoch relevanten

weiterlesen >