Genügen 15 Stunden statt 24 Stunden Sauerstoffgabe bei schwerer Hypoxämie?

Referiert von Prim.Dr.Peter Dovjak, Leiter der Akutgeriatrie, Salzkammergut Klinikum Gmunden

Einleitung

Eine Sauerstoffdauersupplementierung über mindestens 15 Stunden pro Tag verlängert das Überleben von Patient:innen mit schwerer Hypoxämie. Auf Basis nicht randomisierter Studien wurde die Sauerstoffdauertherapie über 24 Stunden pro Tag empfohlen, was eine aufwändigere Behandlung darstellt.

Methoden

Um die Hypothese zu testen, ob eine Sauerstofftherapie über 24 Stunden im Vergleich zu 15 Stunden pro Tag nicht zu einem geringeren Risiko eines Krankenhausaufenthalts oder Todes nach einem Jahr führt, wurde diese multizentrische, randomisierte, kontrollierte Studie mit Patient:innen, die eine Sauerstofftherapie wegen chronischer, schwerer Hypoxämie im Ruhezustand benötigten, durchgeführt. Die Patient:innen wurden randomisiert mit einer Sauerstofftherapie über 24 oder 15 Stunden pro Tag behandelt. Das primäre Ergebnis war eine Kombination aus Krankenhausaufenthalt oder Tod jeder Ursache innerhalb eines Jahres. Sekundäre Ergebnisse umfassten die einzelnen Komponenten des primären Ergebnisses, mit Bewertung nach 3 und 12 Monaten.

Resultate

Zwischen Mai 2018 und April 2022 wurden insgesamt 241 Patient:innen in die Studie eingeschlossen. Das Risiko eines Krankenhausaufenthalts oder Todes innerhalb eines Jahres war in der 24-Stunden-Gruppe nicht niedriger als in der 15-Stunden-Gruppe (124,7 bzw. 124,5 Ereignisse pro 100 Personenjahre; Hazard Ratio 0,99; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,72 bis 1,36; 90%-CI 0,76 bis 1,29; p=0,007). Die Gruppen unterschieden sich nicht wesentlich hinsichtlich der Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten, Todesfällen oder unerwünschten Ereignissen.

Diskussion

Bei Patient:innen mit schwerer Hypoxämie führte eine langfristige Sauerstofftherapie über 24 Stunden pro Tag nicht zu einem geringeren Risiko eines Krankenhausaufenthalts oder Todes innerhalb eines Jahres als eine Therapie über 15 Stunden pro Tag.

Kommentar

Zwei kleine Studien, die vor über 40 Jahren durchgeführt wurden, bilden die Grundlage für die Empfehlung weltweit, bei Patient:innen mit schwerer Ruhehypoxämie eine langfristige Sauerstofftherapie von mindestens 15 Stunden täglich zu verabreichen. Trotz dieser Daten bleibt es schwierig, Patient:innen von einer Sauerstofftherapie zu überzeugen. Patient:innen befürchten durch die Gabe von zusätzlichem Sauerstoff stigmatisiert zu werden. Überdies ist ein Gerät zur Verabreichung des zusätzlichen Sauerstoffs schwer und unhandlich. Die Kapazität zur Aufrechterhaltung der erforderlichen Sauerstoffflussrate ist oftmals nicht ausreichend, um längere Zeit außer Haus gehen zu können. Subjektiv tritt keine Verbesserung unter Sauerstoffgabe ein. Die Therapie führt aber zur sozialen Isolation und Depression. Obwohl eine größere Studie einen Unterschied in der Sterblichkeit zwischen einer Sauerstofftherapie über 15 Stunden und 24 Stunden pro Tag zeigen könnte, sollten die aktuellen Ergebnisse Patient:innen und Ärzt:innen beruhigen.

Literatur

Ekström M et al. Lang-term Oxygen Therapy for 24 or 15 Hours per Day in Severe Hyposmia. N Engl J Med 2024;391:977-88

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